Biographie

1953 geb.in Marialinden Kreis Overath

  

1975-80 Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste

bei Prof.Wilhelm Loth 

  

1976-79 Studium der Kunstwissenschaft an der Universität Karlsruhe

  

1988 Stipendium der Kunststiftung Baden – Württemberg

  

1989 Stipendium der Phillip Morris GmbH für Berlin

  

1995 Stipendium für die Cité international des arts, Paris

  

seit 1993 Mitglied des Künstlerbundes Baden- Württemberg

lebt und arbeitet in Rastatt

 

2017  1. SV Kunstpreises der Baden-Württenbergschen Künstlermesse

Das Werk des Bildhauers Jörn Kausch lässt sich als Entfaltung autonomer Formanalysen beschreiben, mit Verweisen in die alltägliche Erfahrungswelt. Werke und Werkensembles werden so zu Stufen vielfältiger Gedankenflüge um Raum zwischen Kern und Hülle, um Ordnung, Illusion und Abstraktion, Material, Substanz und ungreifbares Chaos. In abstrakt konkreten Wandreliefs mit beweglichen Elementen und Bodenobjekten, auch in raumgreifenden Installationen wird dies wie in einem Fokus sichtbar. Lattenkonstruktionen, Würfel, Quader, Kuben, Ovaloide, aber auch Stühle, Vasenformen, gebaute Tische und Ensembles von Tischböcken haben seit den achtziger Jahren die modellierten Körper und Köpfe abgelöst, die Kausch als Schüler von Wilhelm Loth meisterhaft zu modellieren weiß. Mit Würfel, Kugel und Ellipsoid bildet Jörn Kausch plastische Annährungen an den idealen geometrischen Körper in überlegter Konstruktion und kontrollierter Form. Plane Projektionen an der Wand, aus Schattenrissen entwickelt, deuten Perspektiven auf Kugelkonstruktionen und enthüllen (so bislang) ungesehene strenge Formkonstellationen. 

 

Im Wesentlichen ist das Material seiner Skulpturen Holz, ein überall verfügbarer Werkstoff mit der notwendigen Anonymität und für Kausch ohne metaphorischen Gehalt, ebenso wie Corten-Stahl, gelegentlich Ziegel oder Leinwand. Farbe kann die Absolutheit der ästhetischen Behauptung eines so und nicht anders definierten Raumbezug mittragen. Wichtig ist, dass die handwerkliche Präzision den komplexen Prozess der Strukturentwicklung und Bildfindung verschleiert. 

 

Dabei gelingt es Jörn Kausch den Eindruck des Leichten, Schwebenden, Flüchtigen zu erreichen trotz und wegen der Massivität des Materials. Elliptoide aus Holz umgreifen Raum in sich und bestimmen zugleich ihren Umraum. Die Konstruktionen atmen wie Körper.

Sie vermitteln, obwohl streng geometrisch konstruiert, den Eindruck einer gewissen Organik, stabil und instabil zugleich. In der Statik der Skulpturen wird die Bewegung des Blicks gelenkt, um eine Bewegung zu erzeugen, in der stets so etwas wie Vagheit, Unbestimmtheit aufscheint. Die Symbiose von innen und außen nimmt der Kontur der geometrischen Form, dem Volumen optisches Gewicht, verstärkt die plastische Spannung und vermittelt den Eindruck einer fließenden Energie.

Kausch geht bis an die Grenzen einer möglichen Genauigkeit zwischen Material und formaler Konzeption und erfährt damit zugleich dies: in jeglicher Genauigkeit steckt ein ebenso großes Potential an Unbestimmtheit und Möglichkeit einer gedanklichen Verrückung. Dabei sucht er die Gesetzmäßigkeit einer Logik, die sich im Tun formal entwickelt, doch sich zugleich der unmittelbaren Fassbarkeit und formelhaften Erfahrbarkeit durch subtile Eingriffe entzieht.

Der Betrachter ist gehalten, sich Stück für Stück sehend und gedanklich zu erobern, den angedeuteten Systematisierungen zu folgen, in der Gewissheit, dass er nicht an ein Ende gelangt. 

 

 

Dr. Dirk Teuber

Kurator Staaliche Kunsthalle Baden-Baden

April 2017

"Himmel und Erde" von 1986

ausgestellt in der Stadtkirche

Karlsruhe.

Mit freundlicher Unterstützung

der Städt. Galerie Karlsruhe